Feed Rss



Dez 25 2011

Das Ende von Hu-Ga.de?

category: Allgemein author: Bleicke

Hallo,

Da wir bei Hu-Ga.de in den letzten Monaten alle nicht mehr aktiv waren, wird das Projekt wohl bald zu Ende sein. Es haben einfach alle zuviel mit anderen Dingen zu tun gehabt, um noch aktiv ein Ernährungsblog zu führen. Wenn jemand Interesse haben sollte, das Projekt weiter zu führen, kann ich ihm die Domain überschreiben. Ansonsten werde ich sie demnächst abschalten.

Auf eine gesunde Ernährung!

Popularity: 21% [?]


Sep 14 2011

Review: Das Urgeschmack Kochbuch

category: Review author: Bleicke

Jeden Tag gesund und lecker – so verspricht es der Untertitel von Felix Olschewskis neustem Streich.

Wer Felix kennt, weiss sein besonderes Interesse an der Ernährung zu schätzen. Auf Urgeschmack.de gibt es keine Quick-Fixes oder Crashdiets, vielmehr geht es um die Gestaltung des Lebens als solches. Wer 4 Wochen hungert und sich danach mit Zuckerware vollstopft, behandelt lediglich die Symptome, nicht die Ursachen, seiner Probleme.

Diese Sichtweise kommt auch im Urgeschmack-Kochbuch gut herüber. Süßigkeiten werden nicht einfach gestrichen, sondern durch gesunde Naschmittel ersetzt. Da Essen nicht nur als Treibstoff dient, sondern auch Genuß und soziale Zusammenkunft mit sich bringt, präsentiert Felix neben den typischen “simplen” Paleogerichten auch ausgefallenere Speisen, die man seinen Freunden an einem gemeinsamen Abend vorsetzen kann. So muss man sich nicht für seine Ernährung rechtfertigen, wie man es als Paleo-Jünger doch oft erlebt. Im Gegenteil, man kann Lorbeeren einheimsen. Denn ein wirkliches Festmahl besteht selten aus Weißmehl & Co. – gutes Fleisch und schmackhafte Kombination von Gemüsen und Gewürzen passt viel eher.

Dabei liest sich die “To-Do” Liste, genannt Ernährungsgrundsätze, wie die vieler Paleo-Blogs oder Paleo-Bücher.

  1. Kein Zucker
  2. Kein Getreide
  3. Keine ungesunden Pflanzenfette
  4. In Maßen Obst
  5. Kein Fast Food
  6. Keine Milchprodukte
  7. Bei Bedarf Supplementierung mit Omega-3-Fettsäuren

Wie üblich sind hierbei die ersten 3 Punkte die wichtigsten, der Rest eher Feintuning. Deswegen geht Felix hier auch mit Gefühl an die Sache: er jagt einem nicht die Angst vor der Milch ein, wie es z.B. Robb Wolf mit seinem ständigen “Wenn ich Milch höre denke ich Krebs”. Stattdessen bekommt der Leser fein säuberlich die Vor- und Nachteile zu hören, die Schwierigkeiten vor allem im sozialen Umfeld, und wird dann ermutigt, aufgrund der eigenen Milchverträglichkeit zu entscheiden. Genauso sieht es auch bei den anderen Detailpunkten aus: Fischöl als zielorientiertes Supplement, nicht als Selbstzweck.

Ein schöner Beigeschmack: Neben den gesundheitlichen Aspekten beschäftigt sich Felix auch mit Umwelt, Nachhaltigkeit sowie dem Einfluss der menschlichen Ernährung darauf.

Nach dieser philosophisch und theoretisch angehauchten Einführung kommt im nächsten Kapitel mein Lieblingsteil eines jeden Paleo-Buches. Über Steinzeitmenschen erzählen und Zucker verteufeln kann jeder, doch die wirkliche Herausforderung liegt darin, dem Leser einen praxisorientierten und umsetzbaren Ansatz zu bieten, mit dem dieser seine Lebens- und Essgewohnheiten verbessern kann.

Hierzu listet Felix zuerst in einer Liste alle exotischen Zutaten auf, die man im Buch zu sehen bekommt. Dem Leser dieser Seiten wird hier nicht all zu viel neues vor die Augen kommen, aber ein Otto-Normal-Esser hat vermutlich noch nie nach Kokosfett oder Mandelmilch Ausschau gehalten. Hier fällt auch gleich ein weiterer Unterschied zu den meisten Paleo-Büchern auf: Felix bäckt. Er ersetzt das Weizenmehl durch Mandel- und Kokosmehl. Den Zucker durch Stevia. Da über die Verwendung von Nuß- und Nußmehlen in der Paleo-Community viel gestritten wird, und einige die psychologischen Effekte von Zucker-Ersatz, Kuchen-Ersatz & Co. kritisieren, bin ich mir nicht ganz sicher, ob “Gesundbacken” für Jedermann so gut ist. Allerdings habe ich auch keine deutlich negativen Erfahrungen damit gemacht. Sicher sollte man nicht täglich einen Mandelmehlkuchen verdrücken. Wenn er einem aber alle 1-2 Wochen dabei hilft, ein Belohnungsgefühl zu erzeugen, welches früher durch puren Zucker befriedigt wurde, hat man sicher einen Reingewinn.

Besonders gefiel mir natürlich die Equipment-Liste, die sich eigentlich mit Eisenpfanne und Messer zusammenfassen lässt. Über die herausragende Bratperformance von Eisenpfannen habe ich ja schon berichtet.

Und dann ist es natürlich ein Kochbuch. Die Bilder lassen einem wahrlich das Wasser im Mund zusammenlaufen. Dabei hat Felix (jedenfalls nach eigener Aussage) die Fotos nicht mit künstlichen Zutaten und Hochglanzsprays aufpoliert, sondern zwischen Fertigkochen und Aufessen geknipst. Da sticht dann der Künstler hervor: alle Fotos sehen superlecker aus.

Genannt seien einige Favoriten wie der Kürbisbrei, das (der?) Apfelkompott – bei Felix zum Rührei serviert. Die Rezepte sind selten monströs aufwändig, bieten aber stets einige Feinheiten, die sie eben doch zu etwas besonderem machen.

Was gefällt: Die meisten Rezepte sind in der deutschen Küche zuhause. Nachdem die Paleo-Community größtenteils englischsprachig ist, hat Felix hier einen Nerv getroffen. Sich stets nach in Deutschland exotischen und unbekannten Zutaten umzusehen, oder sich von der Schnittmenge deutscher und amerikanischer Lebensmittel zu bedienen, führt schnell zu Frustration. Gerade diejenigen, die mit der englischen Sprache nicht per Du sind und auch keine Muße haben, sich für jede Mahlzeit die Mengenangaben und die deutsche Übersetzungen rauszusuchen, sind mit diesem Kochbuch lokaler Küche bestens bedient. Und natürlich diejenigen, die auch einfach ihre Lieblingsspeisen beibehalten oder verfeinern wollen.

Alles in allem ein lange fälliger Einsteig in die gesunde und nachhaltige Ernährung für all diejenigen, die sich ihren Lebensstil nicht aus Blogs und Foren zusammensuchen.

Hier geht’s zum Urgeschmack Kochbuch.

Popularity: 26% [?]


Apr 08 2011

Grasgefütterte Rinder

category: Allgemein,Rezepte author: Patrick

Rinder, die mit Gras gefüttert werden, scheinen momentan ein größeres Thema zu sein in der Paleosphäre.

Dr. Kurt Harris von “Archevore” (früher PaNu) hat in der vergangenen Woche einige interessante Blogs gepostet. Vor allem die ganzen Bilder sind sehr interessant und informativ und geben neuen Zugang zum Thema:

 

Weiters hat Felix Olschewski auch einen neuen Vlog/Blog über grasgefütterte Rinder im Angebot:

http://www.urgeschmack.de/urgeschmack-tv-ep-44-grasgefuetterte-rinder-und-weidehaltung/

 

Da ich momentan in den Genuss von Bisonfleisch kommen kann, habe ich mir dieses auch bereits 3 mal gekauft. Kostet zwar 8,99$ pro Pfund, aber es schmeckt wirklich sehr gut und hat einen leicht anderen (meiner Meinung nach besseren) Geschmack als Rindfleisch.

Da ich vor allem den Geschmack des Fleisches haben wollte, habe ich jeweils ein ganz einfaches Rezept benutzt:

  • 500gr. Bisonhackfleisch (geht sicher auch mit Rinderhack)
  • 500gr. Gemüse (Grüne Bohnen, Paprika, Brokkoli, Zucchini)
  • Salz, Pfeffer, Butter (am besten von grasgefütterten Tieren)

Hackfleisch in Butter anbraten. Salzen und Pfeffern. Gemüse dazu und kurz mitanbraten. Frisch servieren!

So einfach und schmackhaft kanns gehen.

Viel Spass beim Lesen.

Patrick

 

Popularity: 54% [?]


Mrz 31 2011

Link: Paleo 2.0 von PaleoNu.com

category: Allgemein author: Bleicke

Hier mal wieder ein super Artikel von Dr. Harris:

Paleo 2.0 – A Diet Manifesto

 

Popularity: 48% [?]


Mrz 19 2011

Paleo Challenge beendet

Woo! Die 6 Wochen der Paleo Challenge gingen ganz schön fix vorbei. Eigentlich wollte ich jede Woche einen Rückblick posten, aber viel ist ja nicht passiert – ich hab Paleo gegessen ;-)
Im Gegensatz zu sonst hab ich aber detailliert Buch geführt, wo ich Verstösse hatte und wie sich das auf meinen Körperumfang ausgewirkt hat.

Ich habe besonders am Anfang jedesmal Fotos von meinem Essen gemacht. Gegen Ende war ich dann etwas zu faul, weil es eh ständig das gleiche war. Heute habe ich aber meine Belohungs-Süßigkeiten gekauft, die könnt ihr im letzten Foto bewundern.

Vorher nochmal die Regeln im Review:

  • bis zu 7 Punkte pro Tag für Paleo-konforme Ernährung
  • bis zu 1 Punkt pro Tag für 8+ Stunden Schlaf
  • bis zu 1 Punkt pro Tag (max. 5 pro Woche) für ein Workout

Punkte

Gesamtpunkte habe ich 320 von 366 möglichen. Es fehlen mir insgesamt 46 Punkte. Im Prinzip ist es einfacher, wenn ich meine Verstösse aufliste:

  • 5x Milchprodukte (jedesmal nur Sossen oder Milch, die im Hotel-Rührei war)
  • 1x Getreide (Mais im Salat)
  • 0x Hülsenfrüchte
  • 7x Zucker (gezuckerter Schinken + 3x Magnesiumtabletten mit Süßstoff)
  • 1x Processed Food (recht eklige Schweineschwarten, wie Kartoffelchips nur aus Schwein)
  • 0x Alkohol (das fiel mir leicht)
  • 29x den Bonus für mehr als 8 Stunden Schlaf nicht bekommen
  • 3x den Bonus für ein Workout nicht bekommen

Richtig “gecheatet” habe ich kein einziges Mal. In den letzten 1,5 Wochen hatte ich ein wenig die Versuchung, davor war es ein totales Kinderspiel. Ein Monat ist auch bei meinen vorherigen Ernährungsexperimenten immer ein Zeitraum gewesen, der mir relativ gut lag. 1x pro Woche cheaten ist zu oft, da komm ich garnicht in den Rhythmus. Länger als 1 Monat wird anstrengend.

Die paar Sossen/Magnesiumtablettenverstösse + 1x der Mais sind eigentlich Kinderfasching. Viel deprimierender: Mein anscheinender Schlafmangel. Ich hab in den 6 Wochen überhaupt nur 13x länger als 8 Stunden geschlafen (oder überhaupt 8 Stunden). Meist sind es so um die 6 Stunden. Am Wochenende dafür mehr + Mittagsschlaf.

Beeindruckt bin ich von den lediglich 3 fehlenden Bonuspunkten für Workouts. Das bedeutet, dass ich in 6 Wochen überhaupt nur 3x nicht im Training war, also ansonsten 5x die Woche trainiert habe. Kein Wunder dass ich gute Fortschritte mache :-) Die 3 Termine waren jeweils Samstage. Da ist das Training um 10:00 oder 11:00 Uhr früh, und ich habe dann stattdessen ausgeschlafen.

Avocado (+ Kokos)

Die Avocado verdient ihre eigene Überschrift. Ich bin mir ziemlich sicher, mind. 60% der Tage mind. 1 Avocado gegessen zu haben. Vorher fand ich sie widerlich, jetzt bin ich körperlich abhängig danach. Die Avocado ist die beste Möglichkeit, wie Fleisch nicht langweilig wird, man aber kein blödes Gemüse kochen muss. Mir wurde zwar im CrossFit nahegelegt dass Avocados nicht als Gemüse zählen, aber sie schmecken einfach zu geil :-)

Tip: Avocados nur kaufen, wenn sie extrem weich und matschig sind. Die in der harten, braunen Schale scheinen immer matschig zu sein, während man bei den grünen echt aufpassen muss. Die nicht-matschigen sind quasi ungenießbar. Wenn eine alte Dame an der Kasse sagt “Ich glaub die is nimmer gut”, dann ist sie gerade richtig ;-)

Übrigens habe ich einige Male probiert, mir mit Obst und Kokosmilch sahneartige Süßigkeiten zusammenzubauen. Das hat aber nicht besonders gut funktioniert. Kokosmilch schmeckt gut und Beeren auch, die Kombination ist aber nicht so gut wie Beeren mit Sahne. Da ess ich die Beeren lieber so und trinke die Kokosmilch pur bzw. kipp sie ins Curry.

Kokosfett: Habe die ganzen 6 Wochen ausschließlich mit Kokosfett von Othüna gebraten. Insgesamt habe ich ca. 3kg verbraucht. Äußerst gutes Fett zum Braten. Stinkt kaum, wird sau heiß ohne zu rauchen und ist recht geschmacksneutral.

Ergebnis

Auch meinen Körperumfang habe ich täglich mit einem Maßband gemessen, nachdem ich Timothy Ferriss’ Four-Hour-Body gelesen hatte. Die Message dass es extrem wichtig ist, seine Fortschritte zu messen, klang mir sehr sinnvoll. Wie soll man sonst auch wissen, ob man Fortschritte macht? Ausserdem ist es sehr motivierend, sich so eine Kurve anzusehen.

Die Kurve ist die Summe von beiden Bizepsumfängen (nicht angespannt), Bauchumfang, Hüftumfang (=Arschumfang), beiden Oberschenkelumfängen in Zentimetern.

Wobei sowohl der Bizepsumfang als auch der Oberschenkelumfang sich so gut wie nicht geändert hat. Ist also fraglich, ob es sinnvoll ist, die zu messen. Möglicherweise kommt es aber auch darauf an, wieviel Körperfett man gerade hat. Wenn jemand z.B. genetisch darauf programmiert ist, erst am Bauch fett zu werden und dann überall sonst, wird er in den ersten Wochen/Monaten kaum am Bauch abnehmen, während er gegen Schluss vor allen am Bauch abnehmen wird. Mein Körperfett ist relativ gut verteilt, nicht nur am Bauch. Mein Bauch ist zusammen mit dem Gesicht einer der ersten Orte, wo ich Fett abbaue. Gut, da man beides jeden Morgen im Spiegel sieht. Das motiviert.

Insgesamt habe ich in den 6 Wochen 8cm an Bauchumfang und 2,5cm an Hüftumfang verloren. Man sieht auch deutlich was, vor allem eben am Bauch. Einige Venen an den Armen sind auch zum Vorschein gekommen (doch Fett an den Armen verloren?).

Performance

Was mich sehr überraschte waren die Performancesteigerungen im CrossFit. Ich bin mir nicht sicher ob diese durch weniger Gewicht (hab keine Waage, hatte in den ersten 3 Wochen aber sogar 2kg zugenommen statt abgenommen) oder sonst etwas zustande kamen.

Vor der Paleo-Challenge konnte ich keinen einzigen Handstand-Push-Up. Nichtmal ansatzweise. Ich kam nichtmal kontrolliert bis 5cm über den Boden. Jetzt kann ich relativ locker 3 Stück ohne Kipping. Klimmzüge sind auch einfacher geworden, ich habe neulich 3×5 mit 15kg Zusatzgewicht gemacht.

Da vor allem die Übungen mit dem eigenen Körpergewicht leichter geworden sind, schätze ich auf die Veränderung im Verhältnis Muskelmasse/Körperfett. Ich habe zwar nicht viel Gewicht verloren (wenn überhaupt, wie gesagt keine Waage). Aber ich habe eine Menge Fett verloren und einige Muskeln aufgebaut. D.h. meine relative Stärke ist auf jeden Fall deutlich gestiegen. Power Cleans sind immer noch bei 80kg, absolute Stärke hat sich also wohl nicht sooo viel getan. Wobei der Schritt zu 90kg vielleicht auch einfach zu gross ist, geringere Schritte hab ich nicht probiert.

Zusammenfassung

Obwohl ich ja schon ca. 2 Jahre begeisterter Paleo-Fan war und bereits 20kg damit verloren hatte, war ich überrascht, wie viel Fett ich verloren habe. Ich dachte nicht, dass die letzten paar % zu strikt-Paleo so viel ausmachen. Ob es der vollständige Verzicht auf Cheat-Days oder das Wegstreichen von Milchprodukten war, weiß ich nicht. Müßte ich im Prinzip mal ausprobieren. Auf jeden Fall weiß ich jetzt wieder, wie gut Paleo funktioniert.

Ich hatte kaum Schwierigkeiten, mich zu beherrschen. Kein Problem, im Supermarkt an der Schokolade zu stehen und nicht danach zu greifen. Ich hatte sogar die ganzen 6 Wochen Cola im Schrank stehen und habe sie nicht aufgemacht (war von meinem Mitbewohner übrig).

Einerseits ist es nicht mein erster Versuch, Paleo durchzuziehen. Eher mein fünfter. Da wird man besser. Aber auch der Challenge-Anteil und das ständige CrossFit-Training haben geholfen, meine ich. Ich bin extrem anfällig für solche Wetten oder Spielchen, und beim CrossFit hab ich die enormen Performanceschübe gespürt, so dass ich mehr als nur “look better naked” zur Motivation hatte.

Paleo works.

Fuck yea ;-)

 

Popularity: 65% [?]


Mrz 12 2011

Review: Why we get Fat von Gary Taubes

category: Review author: Bleicke

Kurz: Wer “Good Calories, Bad Calories” von Taubes noch nicht gelesen hat und sich für wissenschaftliche Hintergründe zur Hypothese Fett bzw. zuviele Kalorien machten fett und der Carb Hypothesis (Kohlenhydrate machen fett) interessiert, ist mit diesem Buch gut beraten.

Für meinen Geschmack liegt der Fokus immer noch zu sehr auf Studien, Anekdoten und der Widerlegung der Calory Balance Hypothesis. Wenn ihr aus irgendeinem Grund noch überzeugt seid, dass Fett an sich ungesund ist (egal welche Art von Fett), wird euch dieses Buch vom Gegenteil überzeugen. Die politischen und historischen Hintergründe (=der Betrug), die zu einer weltweiten Fettphobie mit horrenden Auswirkungen geführt haben, machen einen Großteil des Buches aus.

Dann erklärt Taubes seine Carb Hypothesis: “Carbohydrates drive insulin drives fat gain”. Zu Deutsch: Kohlenhydrate führen zu erhöhter Insulinausschüttung, was zu Fettaufbau führt.

Die das Insulin betreffenden Mechanismen erklärt Taubes dabei ausreichend, wenn auch nicht so detailliert wie es Robb Wolf tut.

Im Anschluß erklärt er noch den Untertitel seines Buches, “(Why we get Fat) and what to do about it”: Keine Kohlenhydrate essen. The end. Wenn man Taubes’ Erklärung als einzige und vollständige akzeptiert, ist das wohl auch die Konsequenz.

Hier liegt auch das Problem begraben, das ich mit Taubes habe: Sicher spielt Insulin eine sehr wichtige Rolle im Fettstoffwechsel. Und sicher können riesige Mengen an Kohlenhydraten zu einer sehr hohen Insulinausschüttung führen, die einen dann fett macht. Aber das ist vermutlich lange nicht der einzige Faktor, sowohl was Fett als auch was Gesundheit angeht.

Erstens sind Kohlenhydrate keine homogene Gruppe, es gibt verschiedene Arten, die auch verschieden im Körper verarbeitet werden. Zweitens sind Kohlenhydrate nicht die einzige Nährstoffgruppe, die zu enormer Insulinausschüttung führt. Protein kann ähnliche oder stärkere Effekte haben. Gerade Milchprodukte haben einen für ihren Zuckeranteil unverhältnismäßig hohen Insulineffekt. Auch einige Fleischsorten. Dazu hat anscheinend die Kombination der Nährstoffe auch einen Effekt: Wenn ich mehrere Nährstoffe zusammen esse, ist die kombinierte Wirkung oft nicht die gleiche, als hätte ich die gleichen Sachen einzeln gegessen.

Zweitens ist Insulin nicht der einzige Faktor, der uns fett werden oder abnehmen läßt. Nichtmal das einzige Hormon. Zwar ist es das am besten erforschte, aber z.B. hat Leptin wohl auch einen starken Einfluß auf unser Hungergefühl.

Wenn Taubes’ Carb Hypothesis die Mechanismen so vollständig erklären würde wie er das beschreibt, würde Low Carb besser funktionieren. Nicht dass Low Carb nicht funktioniert, aber es würde bei ALLEN Leuten hundertprozentig funktionieren. Dinge, die so einfach zu testen sind wie “einen Monat Ernährungsumstellung”, setzen sich leicht durch, wenn sie wirklich immer funktionieren. Niemand fährt heute mehr Pferdekutsche, Autos sind einfach geeigneter. Wenn Low Carb wirklich die einzige und vollständige Lösung für unser Körperfett und unsere Krankheiten wäre, wäre das Problem gelöst.

Im Angesicht der vielen anderen Faktoren die eine Rolle zu spielen scheinen, und weil viele Leute auch mit Low Carb Probleme haben (z.B. Jojo-Effekte oder psychologische Schwierigkeiten), vermute ich einfach, dass die Sache nicht so simpel ist, wie Taubes sie darstellt.

Fazit: Wer Hu-Ga.de liest, hat vermutlich keine Fettphobie (mehr). Und “Why we get fat” ist hauptsächlich eine Widerlegung der Calory Balance Hypothesis. Das Buch eignet sich also vor allem, um es Bekannten oder Familie mit Fettphobie zu schenken, die lieber Vollkornbrot mit Zucker essen als auch nur ein Gramm Fett zu sich zu nehmen.

 

 

Popularity: 59% [?]


Mrz 10 2011

Gluten – Feind, Freund oder irrelevant?

 

Blick von der Klause in Meschede, Getreidefeld
Getreide – Eine riesige Industrie und Teil unserer Kultur, aber hat sie einen Preis?

 

In meinem letzten Artikel habe ich mich mit Insulin und Alzheimer beschäftigt. Eigentlich wäre ja jetzt Krebs dran, doch die Forschung hat einige sehr interessante Funde vorgelegt, die ich nicht hinter dem Berg halten möchte.

In der Paleo Welt wird mit Weizen und Getreide an sich stark abgerechnet. Zum einen wird dies auf den Gehalt an Antinährstoffen wie Lectin begründet, welche die Aufnahme von wichtigen Mikronährstoffen verhindern. Das Hauptaugenmerk gilt jedoch Gluten. Die eine Community beschreibt Gluten als den Teufel während das medizinische Establishment dagegen hält, dass nur ca. 0,5-1% der Bevölkerung von Zöliakie betroffen sind und damit durch Gluten geschädigt werden (Keller, 2003).

 

Frittierte Gluten Bälle
Frittierte Gluten Bälle, Lecker oder reiner Wahnsinn? / Original Foto : (Fried gluten balls by ChildofMidnight. Attribution required.)

 

Doch was ist Gluten überhaupt und wie kann es uns schaden? Und wie relevant ist Gluten nun wirklich? Genau dieser Frage geht dieser Artikel heute nach. Als Arbeitshypothesen können wir in Einklang die zwei Hypothesen vergleichen, die sich hier gegenüberstehen. Die Paleo Gluten Hypothese besagt, dass Gluten gesundheitliche Auswirkungen auf signifikante Teile der Bevölkerung hat, auch wenn sie NICHT an Zöliakie erkrankt sind. Die konservative Hypothese besagt dass Gluten Auswirkungen auf Zöliakiekranke hat, weitere Auswirkungen jedoch unwahrscheinlich sind. D.h. entscheidend für unser Urteil ist ob Gluten Auswirkungen auf gesunde Menschen mitbringt und wie groß dieser Anteil im Vergleich zum Anteil Zöliakie Kranker Personen in der Gesamtbevölkerung ist. Hierbei nehmen wir zu Gunsten der Medizinhypothese einen Anteil von ca. 1% der Gesamtbevölkerung an, welcher in USA und Großbritannien vorherrscht im Gegensatz zu Deutschland, wo die Prävalenz 0,2% beträgt (Siehe Keller, 2003).

 

Normale Proteinverdauung in gesundem Darm
Normale Proteinverdauung in gesundem Darm

 

In an Zöliakie erkrankten Personen erzeugt Gluten eine genetisch bedingte Autoimmunerkrankung des Dünndarms. Hierfür sind ungefähr 90 verschiedene Bestandteile des Glutens verantwortlich, besonders fanden sich jedoch 3 besondere Antigene, die immunodominant Reaktionen erzeugen (Tye-Din et al., 2010). Die genetischen Bedingungen für Zöliakie sind multifaktoriell, d.h. nicht ein einziges Gen, sondern eine Kombination sorgt für die Krankheit. Eine besondere Stellung nimmt das HLA-DQ2 Allel ein, welches wiederum einen Serotyp des HLA-DQ Rezeptorproteins darstellt. D.h. der Unterschied in Genetik kommt unter anderem auf bestimmte Oberflächenrezeptoren zurück, die entweder zueinander passen oder nicht. Von den sieben HLA-DQ Typen, sind DQ2 und DQ8 die typischen Problemkinder, welche sich besonders häufig in Zöliakiekranken wiederfinden lassen. Die genetische Prädisposition lässt sich noch weiter über verschiedenste Haplotypen und Vererbungsmerkmale weiterführen, dies ist aber für unsere Zwecke nicht weiter zielführend oder nötig. Fassen wir einfach zusammen, dass HLA-DQ2 und HLA-DQ8 zwei besondere Schelme sind, da sie Gliadin ganz besonders gerne binden.

Gliadin? Ja, Gliadin. Gluten ist ein Protein, welches sich besonders in Weizen, aber auch in Gerste und Roggen wiederfindet. Weizenprotein besteht zu 80% aus Gliadin und Glutenin. Aber was tut Gliadin eigentlich? Gliadine und Glutenin als Teile des Glutens sind zwei Fraktionen von Klebereiweissen, welche beispielsweise für den exzellenten Halt von Kuchen- und Brotteig sorgen. Aber was machen sie denn nun genau? In Zöliakiepatienten stimuliert Gliadin die Enterozyten, auch Epithelzellen genannt. Diese machen einen Großteil des Dünndarmgewebes aus, welches für die Resorption bestimmter Stoffe aber auch für die Isolation und Schutz gegenüber schädlichen Stoffen eine Rolle spielt. Zwischen diesen Zellen besteht eine sog. Tight Junction, auch Zonula Occludens genannt, welche unerwünschte Partikel aus dem Dünndarm heraushält. Die Tight Junctions funktionieren als Barrieren zu den Zellzwischenräumen.

 

Gluten Verdauung im Darm mit Zöliakie
Gluten Verdauung im Darm mit Zöliakie

 

Und genau hier kommen bestimmte Prolamine wie Gliadin ins Spiel. Einige Gliadine sorgen dafür, dass sich Zellzwischenräume der Tight Junctions öffnen. Gliadin bindet dabei an den sog. CXCR3 Rezeptor und sorgt dafür, dass Zonulin ausgeschüttet wird. Verantwortlich hierfür zeigt sich das Myeloid differentiation primary response gene (88) (MYD88) (Lammers & Browney, 2008). Sind die Zwischenräume erst einmal offen, erzeugen bestimmte Gliadin Peptide Immunreaktionen. Dabei gibt es verschiedene Immunreaktionen. Bestimmte Gliadin Peptide gehen eine Wechselwirkung mit Gewebe-Transglutaminase ein bei der sich beide quervernetzen (Fleckenstein, Molberg, Qiao, Schmid, von der Mulbe , Elgstoen, Jung & Soflid, 2002). Der Körper reagiert mit einer Immunreaktion auf Gliadin Peptide als ein externes Antigen und auf die Antigewebetransglutaminase (ATA) als ein Autoantigen des eigenen Körpers. Dabei scheint Gliadin die akuten Zustände zu erzeugen und ATA die langfristigen Autoimmuneffekte (Londei, Ciacci, Ricciardelli, Vacca, Quaratino & Maiuri, 2005).

 

Lymphozyt
Lymphozyten – Die Soldaten unseres Immunsystems. Manchmal sind wir leider Opfer von “Friendly Fire”

 

Was passiert nun aufgrund dieser Immunreaktionen? Auf kurz oder lang kommt es zu Entzündungsreaktionen und das Immunsystem greift die Dünndarmzellen, die Enterozyten an. Es mehren sich Antigene durch das Brechen der Tight Junctions und die Vernetzung von Gliadinen und Gewebe-Transglutaminase. Man kann bei der Zöliakie von einer Kombination aus allergischer Reaktion auf Gliadin und Autoimmunerkrankung durch ATA sprechen. Diese führt auf kurz oder lang einer Degeneration und dem Absterben (Apoptose – Programmierter Zelltselbstmord ) der Erythrozyten und damit massiven Lücken in den Darmwänden, durch die nun alle möglichen Stoffe eindringen können. Der Gewebe-Transglutaminase werden inzwischen weitere Rollen bei Tumorbildung, Tumormetastase, Entzündungsreaktionen sowie anderen degenerativen Krankheiten zugeordnet (Griffin, Casadio, Bergamini, 2002).

 

Diagramm zur Veranschaulichung der verschieden Stadien (Marsh-Kriterien) einer Zöliakie
Diagramm zur Veranschaulichung der verschieden Stadien (Marsh-Kriterien) einer Zöliakie. Autor : Andreas 06 –

 

Genug Biochemie. Wir kennen uns nun ein kleines bisschen mit Zöliakie aus, aber bringt uns das weiter? Auf jeden Fall. Zuerst einmal stellt sich die Frage, wie man nun eine Person mit Zöliakie definiert. Man kann hier beispielsweise sagen, dass eine Person, die keine Gliadin oder ATA Antikörper aufweist, keine diagnostische Zöliakie hat. Es wurden bereits viele Personen mit Zöliakie diagnostiziert, obwohl sie noch keine Symptome gezeigt haben, dank Immunoglobulin und ATA Antikörper Tests. Was mit einer Person ist, die Zöliakie hat wissen wir. Und was ist mit einer Person, die nachweislich KEINE Zöliakie hat?

 

Spaghetti
Getreideprodukte – Harmloses Lebensmittel oder Gift? Foto von Tim ‘Avatar’ Bartel

 

Zuerst einmal ist die Frage, welchen Schaden Gluten in so einer Person anrichten kann. Per Definition hat die Person keine HLA-DQ2 oder HLA-DQ8 Gene, keine Antikörper für Gliadin im Blut. Eine entscheidende Rolle spielt das Zonulin, welches die Zonula Occludens/Tight Junctions beschädigt und damit die Dünndarmwände durchlässiger macht. D.h. wir könnten also von einer Person ausgehen, bei der Zonulin ausgeschüttet wird, der Körper jedoch nicht direkt mit einer allergischen oder Autoimmunreaktion auf Gliadin und ATA reagiert. Und dies kommt leider auch genau so vor. In einer Studie das skandinavischen Journals für Gastroenterologie wurde von einem Experiment berichtet, dass die Auswirkungen von Gliadin auf Dünndarmzellen gesunder und an Zöliakie erkrankter Personen testete. Die Zellen wurden ex vivo kultiviert und Gliadin ausgesetzt. Zudem wurde ein Zonulin Antagonist eingesetzt, um eine Gegenmaßnahme zu Zonulin zu testen. Die Effekte waren eindeutig. Beide Gruppen von Zellsamples zeigten sofort Zonulin Aktivität sowie eine erhöhte Durchlässigkeit der Membranen. In der gesunden Zellgruppe konnte der Zonulin Antagonist diese stoppen, in der anderen Gruppe hatte Zonulin trotz Antagonist eine stark erhöhte Membrandurchlässigkeit zur Folge. Insgesamt war die gesunde Gruppe weniger permeabel, beide Gruppen zeigten jedoch eine deutliche Erhöhung der Permeabilität (Drago et al. 2006).

D.h. Gliadin hat in jedem Fall einen solchen Effekt, doch wie ausgeprägt ist der in gesunden Menschen? Ausgeprägt genug, um alle möglichen Stoffe in die Membranen zu transportieren. Die Pharma- Industrie hat Zonulin auch bereits entdeckt. Der Effekt erhöhter Permeabilität wird in der Forschung an Impfstoffen geprüft. Aufgrund seiner hervorragenden Eigenschaften könnte Zonulin die Nasenschleimwände so durchlässig machen, dass ein Vakzin auch nasal verabreicht werden kann (De Magistris, 2005). Damit wird klar, dass Gliadin und Zonulin in jedem Fall die Durchlässigkeit der Dünndarmmembranen erhöhen. Doch die Reaktion darauf scheint nicht in jedem Menschen gleich zu sein.
Doch gibt es noch andere messbare Reaktionen? Dieser Frage hat sich ein weiteres Team gestellt (Bernardo, Garotte & Fernández-Salazar, 2007). In einem eher kleinen Experiment wurden sechs Personen Dünndarmbiopsien entnommen. Alle litten unter Reizdarmsyndrom, drei waren an Zöliakie erkrankt. Bevor die Patienten biopsiert wurden, wurde ihnen eine Gliadinlösung verabreicht. Die Biopsien wurden auf Interleukin-15 Aktivität getestet. IL-15 ist ein Zytokin. Zytokine regeln das Wachstum und die Differenzierung von Zellen, IL-15 die Aktivierung von Lymphozyten, darunter vor allem T-Zellen und natürlicher Killerzellen. Im Zusammenhang mit Zöliakie ist bekannt, dass IL-15 den natürlichen Zelltod von T-Lymphozyten hemmt. In allen Samples konnte im Western Blot Testverfahren eine IL-15 Reaktion nachgewiesen werden, die Reaktion war deutlich stärker in der Zöliakie Gruppe. Die gleiche Gruppe von Wissenschaftlern untersuchte nochmals 2008 das gleiche Phänomen genauer, diesmal mit über 60 Teilnehmern. Einer Gruppe mit Zöliakie auf jeweils glutenfreier und Gluten enthaltenden Ernährung sowie einer Gruppe ohne Zöliakie. Wieder konnte gezeigt werden, dass die IL-15 Reaktion nicht auf Patienten mit Zöliakie beschränkt war, JEDER der Teilnehmer reagierte darauf. Es konnte hier aufgrund der Ergebnisse jedoch vermutet werden, dass Zöliakie eine Krankheit ist, bei der eine genetische Disposition die Ursache für eine extremere Reaktion auf Gliadin, Zonulin und Interleukin-15 ausmacht (Bernardo et al, 2008).

In einer gerade aktuellen Studie von 2011 testete man zwei Gruppen ohne Zöliakie. Beide Gruppen hatten Reizdarmsymptome und wurden einer von zwei Gruppen zugeordnet. Es handelte sich um eine randomisierte Doppelblindstudie. Beiden Gruppen wurde eine glutenfreie Diät verordnet, eine Gruppe jedoch bekam statt glutenfreier Ersatznahrungsmittel normale Brotscheiben und Muffins mit Weißmehl. In der Gruppe mit Gluten in der Nahrung beschwerten sich im Test 13 von 19 (68%) darüber, dass ihre Symptome nicht unter Kontrolle waren, jedoch nur 6 von 15 (40%) in der Gruppe, welche glutenfrei ernährt wurde. Die Gruppe mit Gluten in der Ernährung war nach Bewertung auf einer analogen Skala in ihrer gesamten Symptomatik, Schmerzbelastung, Völlegefühl, der Konsistenz ihres Stuhlgangs und Müdigkeit schlechter bestellt als die glutenfreie Gruppe.

 

Wurst_und_Schinken
Auch Wurst kann Gluten als Füllmittel enthalten. Foto von Michael Pfeiffer alias Benutzer:Gordito1869

 

Fassen wir zusammen : Gliadin löst in Personen ohne Zöliakie eine Immunreaktion aus, Zonulin führt in allen Fällen zu einer erhöhten Permeabilität der Darmwände. Personen mit genetischer Disposition zur Zöliakie reagieren durchschnittlich mit stärkeren Reaktionen und heftigeren Entzündungsreaktionen. Jedoch sind auch Zöliakiefälle ohne bemerkbare Symptome bekannt. In Gruppen mit Reizdarmsyndrom liegt die Häufigkeit für Symptome nach Gluteneinnahme in jedem Fall über 1% und eine Reaktion liegt immer vor. Unter diesen Gesichtspunkten kann die Hypothese “Gluten wirkt nur in 1% der Bevölkerung mit genetischer Disposition” eindeutig abgelehnt werden. Auch wenn das Ausmaß der Bedeutung für gesunde Personen bisher nicht festgemacht werden kann, so kann die Empfehlung, Brot und Weizenmehl bedenkenlos zu verzehren, kann auch gesunden Personen aus meiner Sicht nicht mehr gegeben werden. Besonders bei Personen mit Verdauungsproblemen und mit Reizdarmsyndrom ist das Meiden von Gluten in der Nahrung als eine nützliche Intervention zu sehen. Es ist durchaus möglich und wahrscheinlich, dass Gliadin, Zonulin, Gewebe-Transglutaminase und Interleukin-15 in ihren Auswirkungen Schäden anrichten können, die bisher nicht zugeordnet, bemerkt oder erklärt werden konnten.

Unter diesen Umständen obliegt es jedem selbst, ob er es darauf ankommen lassen möchte, viel Getreide zu konsumieren. Die Paleo Community mit ihrer Ablehnung steht durch die wissenschaftliche Gemeinschaft gestärkt da in ihrer Position, Gluten und Getreide sowie sämtliche Analogprodukte so gut es geht zu meiden. Für welchen Teil der Bevölkerung dies besonders wichtig ist, kann noch nicht gesagt werden. Vermutlich wird es auch einen nicht kleinen Teil der Bevölkerung geben, welcher absolut keine Probleme mit Gluten haben wird. Ein wichtiger Schritt in der Zukunft wird sein, diese Gruppen identifizieren zu können und genauere Angaben treffen zu können, welche Anteile der Bevölkerung wirklich betroffen sind. Ich, als Autor dieses Texts, werde Getreide auf jeden Fall stärker meiden als zuvor.

Referenzen, ohne alphabetische Ordnung :

R. Keller: Klinische Symptomatik „Zöliakie, ein Eisberg“. In: Monatsschrift Kinderheilkunde. Heidelberg 151.2003, 706-714.

J. A. Tye-Din, J. A. Stewart, J. A. Dromey, T. Beissbarth, D. A. van Heel, A. Tatham, K. Henderson, S. I. Mannering, C. Gianfrani, D. P. Jewell, A. V. S. Hill, J. McCluskey, J. Rossjohn, R. P. Anderson, Comprehensive, quantitative mapping of T cell epitopes in gluten in celiac disease.Sci. Transl. Med. 2, 41ra51 (2010).

van Heel D, West J (2006). “Recent advances in coeliac disease”. Gut 55 (7): 1037–46. doi:10.1136/gut.2005.075119. PMC 1856316. PMID 16766754. http://gut.bmjjournals.com/cgi/content/full/55/7/1037.

Lammers KM, Lu R, Brownley J, et al. (July 2008). “Gliadin induces an increase in intestinal permeability and zonulin release by binding to the chemokine receptor CXCR3″. Gastroenterology 135 (1): 194–204.e3. doi:10.1053/j.gastro.2008.03.023. PMC 2653457. PMID 18485912.

Londei M, Ciacci C, Ricciardelli I, Vacca L, Quaratino S, and Maiuri L. (2005). “Gliadin as a stimulator of innate responses in celiac disease”. Mol Immunol 42 (8): 913–918. doi:10.1016/j.molimm.2004.12.005. PMID 15829281.

Maiuri L, Ciacci C, Ricciardelli I, Vacca L, Raia V, Auricchio S, Picard J, Osman M, Quaratino S and Londei M. (2003). “Association between innate response to gliadin and activation of pathogenic T cells in coeliac disease.”. Lancet. 362 (9377): 30–37. doi:10.1016/S0140-6736(03)13803-2. PMID 12853196.

Fleckenstein B, Molberg 0, Qiao SW, Schmid DG, Mulbe E von der, Elgstoen K, Jung G and Soflid ML. (2002). “Gliadin T cell epitope selection by tissue transglutaminase in celiac disease. Role of enzyme specificity and pH influence on the transamidation versus deamidation process.”. J Bio Chem 277 (37): 34109–34116. doi:10.1074/jbc.M204521200. PMID 12093810.

Griffin M, Casadio R, Bergamini CM. Transglutaminases: nature’s biological glues. Biochem J 2002;368:377-96. doi:10.1042/BJ20021234 PMID 12366374.

Is gliadin really safe for non-coeliac individuals? Production of interleukin 15 in biopsy culture from non-coeliac individuals challenged with gliadin peptides
D Bernardo, J A Garrote, L Fernández-Salazar, S Riestra, E Arranz
Gut 2007;56:889-890 doi:10.1136/gut.2006.118265

Jessica R Biesiekierski B Appl Sci1, Evan D Newnham MD, FRACP1, Peter M Irving MD, MRCP1, Jacqueline S Barrett PhD, BSc, MND1, Melissa Haines MD1, James D Doecke BSc, PhD2, Susan J Shepherd B Appl Sci, PhD1, Jane G Muir PhD, PGrad Dip(Dietetics)1 and Peter R Gibson MD, FRACP Gluten Causes Gastrointestinal Symptoms in Subjects Without Celiac Disease: A Double-Blind Randomized Placebo-Controlled Trial. Scand J Gastroenterol. 2006 Apr;41(4):408-19.

Gliadin, zonulin and gut permeability: Effects on celiac and non-celiac intestinal mucosa and intestinal cell lines. Drago S, El Asmar R, Di Pierro M, Grazia Clemente M, Tripathi A, Sapone A, Thakar M, Iacono G, Carroccio A, D’Agate C, Not T, Zampini L, Catassi C, Fasano A. Mucosal Biology Research Center, Center for Celiac Research and Division of Pediatric Gastroenterology and Nutrition, University of Maryland, School of Medicine, Baltimore, MD 21201, USA.


Zonula occludens toxin as a new promising adjuvant for mucosal vaccines,
Maria Teresa De Magistris, (2005)Department of Infectious, Parasitic and Immune-mediated Diseases, Istituto Superiore di Sanit`a, Laboratory of Bacteriology and Medical Mycology, Viale Regina Elena 299, 00161 Rome, Italy

Bernardo, D., Garrote, J. A., Allegretti, Y., León, A., Gómez, E., Bermejo-Martin, J. F., Calvo, C., Riestra, S., Fernández-Salazar, L., Blanco-Quirós, A., Chirdo, F. and Arranz, E. (2008), Higher constitutive IL15Rα expression and lower IL-15 response threshold in coeliac disease patients. Clinical & Experimental Immunology, 154: 64–73. doi: 10.1111/j.1365-2249.2008.03743.x

Popularity: 100% [?]


Feb 18 2011

Es gibt keine guten oder schlechten Makronährstoffe 1 – Fett

category: Ernährung,Wissenschaft author: Bleicke

So, hier die versprochene Zusammenfassung auf Deutsch von zwei Artikeln auf PaleoNu.com in der Serie “There is no such thing as a macronutrient“.

Die für mich geniale Erkenntnis von Dr. Harris in diesen Artikeln ist:

Angesichts des aktuellen Wissensstandes und speziell in der Paleo-Ernährung ist es völlig sinnlos, über die drei Makronährstoffe Fett, Protein und Kohlenhydrate zu sprechen. Diese bestehen jeweils aus völlig unterschiedlichen Untergruppen, die auch völlig unterschiedliche Wirkungen auf den menschlichen Körper haben. Wenn alle Fette, alle Kohlenhydrate und alle Proteine sich gleich verhalten würden, oder wenn wir sie zumindest mit dem aktuellen Stand der Wissenschaft nicht weiter auftrennen könnten, würde es vielleicht Sinn machen, von einer “Low-Fat” oder “Low-Carb” Ernährung zu sprechen. Wir wissen es aber besser. Die Erkenntnisse über die verschiedenen Untergruppen der Makronährstoffe sind dem Paleo-Jünger schon seit einiger Zeit geläufig, doch diese völlige Ablehnung des Begriffs Makronährstoff habe ich bisher noch nirgendwo gesehen.

Hier die neue Taxonomie von Dr. Harris:

Fett

Langkettige gesättigt – am besten

Einfach ungesättigte  - Oleinsäure aus tierischen Fetten und Olivenöl – gut

n-6 Mehrfach ungesättigt – technisch gesehen notwendig, aber in heutiger Ernährung in viel zu großen Mengen vorhanden

n-3 Mehrfach ungesättigt – notwendig, um die n-6 Fettsäuren auszugleichen, ansonsten schlecht – je nach Kontext gut oder schlecht

Mittelkettige gesättigte Fette – Kokosöl – gut in vernünftigen Mengen

Natürliche Transfette – z.B. in Milchprodukten enthalten – gut

Künstlich gehärtete Transfette – in der Natur nicht vorhanden – schlecht

Es macht also keinen Sinn zu behaupten “Fett ist ungesund”. Manche Fette sind ungesund. Manche sind sehr gesund. Viele sind lebensnotwendig. Paleo ist nicht “Low-Fat” oder “High-Fat”. Paleo ist nach dieser Taxonomie High-Gesättigt-Low-Gehärtete-High-Einfach-ungesättigte-High-Mittelkettige-gesättigte-Low-mehrfach-ungesättigte-Fett. Das ist natürlich etwas schwierig auszusprechen (oder zu merken). Deswegen hat Dr. Harris diese Liste erstellt, auf der die Fette nach ihrem Vorkommen in unserer Nahrung aufgeteilt sind:

GRAF

Grassgefütterte (Weidegefütterte) tierische Fette. Langkettige gesättigte und einfach ungesättigte Fettsäuren in gleichen Maßen. Ein wenig n-6 Fettsäuren wenn sie Körner gekriegt haben, aber nicht viel. Sehr gesund.

IRAF

Industriegefütterte, d.h. Getreidegefütterte tierische Fette von Wiederkäuern. Langkettige gesättigte Fettsäuren, einfach ungesättigte Fettsäuren. Einige mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Vielleicht zu wenig n-3 Fettsäuren, aber immer noch gesund.

NRAF

Industriegefütterte nicht-Wiederkäuer. Sehr unterschiedlich. Enthält langkettige ungesättigte Fettsäuren, kann aber je nach Futter viele n-6 mehrfach ungesättigte Fettsäuren enthalten und wenige n-3 mehrfach ungesättigte. Da es keine Wiederkäuer sind, sind sie anfälliger bei der Ernährung. Beispielsweise Industriehühner. Kann gesund oder ungesund sein, je nach Zucht und Futter.

TemPO

Nicht-tropische Pflanzenfette. Durch Industrie billig und überall verfügbar. Zuviel n-6 mehrfach ungesättigte Fettsäuren, so gut wie keine n-3 mehrfach ungesättigte Fettsäuren. Einige einfach ungesättigte Fettsäuren, kaum gesättigte Fettsäuren. Ungesund.

TroPO

Tropische Pflanzenöle. Kokosöl, Palmöl. Reich an mittelkettigen gesättigten Fettsäuren und langkettigen gesättigten Fettsäuren. Wenig n-6 mehrfach ungesättigte Fettsäuren und n-3. Diese werden auch durch Industrie billig und leicht verfügbar gemacht, aber sie sind gesünder als die nicht-tropischen.

FF

Frankenfette. Sehr schlecht. TemPO (nicht-tropische Pflanzenfette), welche durch Härtung eine ähnliche Konsistenz und Haltbarkeit wie gesättigte Fettsäuren bekommen haben. Extrem ungesund, unbedingt vermeiden.

Mit dieser Taxonomie fällt es leichter, sich bei den Fetten zurecht zu finden. Man erkennt jetzt, wieso die “Low-Fat” Leute nicht unbedingt Unrecht haben – es GIBT ungesunde Fette. Gleichzeitig versteht man, wieso n-3 mehrfach ungesättigte Fettsäuren als gesund gelten und als Nährungszusatzstoffe angeboten werden, obwohl doch mehrfach ungesättigte Fettsäuren eigentlich ungesund sind. Das hat mir persönlich immer Kopfzerbrechen bereitet.

Popularity: 68% [?]


Feb 13 2011

Rezept: Beiried mit Süßkartoffeln und getrockneten Tomaten

category: Rezepte author: Patrick

Von mir gibt’s noch ein letztes Rezept aus meiner Küche, da ich die Tage umziehe. Somit müsst ihr euch etwas gedulden, bis ich wieder eine Möglichkeit habe regelmäßig zu kochen. Dafür gibt es heute aber etwas ganz neues als Beilage. Süßkartoffeln! Dass Paleo nicht unbedingt “very low-carb” bedeutet, wird anhand der Süßkartoffel sehr deutlich, denn wie die heimische Kartoffel ist auch die Süßkartoffel eine Stärke haltige Knolle mit ca. 25 gr. Stärke pro 100gr. Süßkartoffel. Robb Wolf empfiehlt sie immer in seinen Podcasts und deswegen wollte auch ich sie einmal probieren, um zu sehen, wie ich darauf reagiere.

Zutaten:

Beiried mit Süßkartoffeln

Beiried mit Süßkartoffeln

  • 2 Süßkartoffeln
  • 500 gr. Beiried
  • Sonnen getrocknete Tomaten (trocken oder in Öl)
  • Olivenöl
  • 2-3 Knoblauchzehen
  • Salz, Pfeffer
  • Thymian, Basilikum
  • Butter/Schmalz zum Anbraten

Zubereitung:

Ofen auf 180°C vorheizen. Die Süßkartoffeln waschen, schälen und in Würfel schneiden. In eine Auflaufform geben. Tomaten zerkleinern und Knoblauch in feine Scheiben schneiden und über die Würfel geben. Mit Salz, Peffer, Thymian und Basilikum würzen und Olivenöl über die Kartoffeln geben. Ab ins Rohr damit für 20-30min. Ich habe nach 20min noch einen Schluck Wasser über die Kartoffeln gegeben, da ich gesehen habe, dass sie noch nicht durch sind und schon am Austrocknen waren. Demnach sind sie nochmal 10min drin geblieben.

Während dieser letzten 10 Minuten dann das Beiried waschen, salzen und pfeffern und scharf anbraten.

Schon kann angerichtet werden.

Viel Spass beim Nachkochen.

Patrick

Popularity: 59% [?]

tag: , ,


Feb 06 2011

Rezept: Schweinefilet mit Avocado-Zwiebel-Matsch

category: Rezepte author: Bleicke

Eigentlich halten sich meine Kochkünste ja in Grenzen, aber das hier war so extrem lecker, dass ich es einfach posten muss. Als erste Mahlzeit in der Paleo Challenge wohl ein gutes Zeichen :-)

Zutaten

  • 500g Schweinefilet
  • 1/2 Avocado
  • Olivenöl
  • Salz
  • Pfeffer
  • 1 Zwiebel
  • Zitronensaft
  • Schweineschmalz (oder sonst was zum Braten, da No Dairy gibt’s für mich in nächster Zeit keine Butter mehr)

Zubereitung

  1. Pfanne auf Herd, volle Hitze, Schweineschmalz rein
  2. Während das Fett schmilzt, das Schweinefilet in dünne Scheiben schneiden
  3. Sobald das Fett heiss ist und das Filet in Scheiben, selbige Scheiben in besagtes Fett legen
  4. Während es brutzelt, Avocado und Zwiebel in ganz kleine Stückchen schneiden. Je kleiner man schneidet, desto mehr ähnelt es nachher einer Soße
  5. Avocadostückchen in eine Schüssel, jede Menge Olivenöl und Zitronensaft reinschütten bis sich eine soßige Konsistenz bildet
  6. Die Avocadopampe mit Salz & Pfeffer würzen (ich hab einfach ganz viel Salz und ganz viel Pfeffer reingehauen und dann umgerührt)
  7. Wenn die Filetscheiben fertig gebraten sind, auf den Teller geben
  8. Stattdessen die Zwiebelstückchen in die Pfanne und anbraten
  9. Wenn die Zwiebelstücke angebraten sind, mitsamt des übrigen Schweineschmalzes (lecker!) in die Schüssel mit der Avocadopampe schütten. Feste umrühren.
  10. Man hat jetzt Acovado-Zwiebel-Matsch, den man auf die Filetscheiben kippen kann.

Inhaltsstoffe

Kohlenhydrate:

So gut wie keine. Vielleicht in Zwiebel & Avocado ein wenig.

Protein:

Im Schweinefilet sind ca. 20g Protein / 100g drin. D.h diese Mahlzeit enthält ca. 100g Protein. Nicht schlecht.

Fett:

Aber hallo! Abgesehen davon, dass es sich beim Hauptbestandteil der Mahlzeit um ein halbes Kilo Schweinefleisch handelt, wurde es in ca. 100g Scheineschmalz gebraten. Dazu eine halbe Avocado (sehr fettig) und extra Olivenöl. Kein Wunder dass es so gut schmeckt!

Ich muss sagen dass ich überrascht war, wie extrem lecker es geschmeckt  hat. Als Sahne-Junkie hatte ich eigentlich erwartet dass mir während der Paleo-Challenge nichts so gut schmeckt, weil ich keine Sahne verwenden darf. Aber gleich bei der ersten Mahlzeit habe ich festgestellt, dass andere Fette wohl genauso Geschmacksträger sind :-D Es lebe das Fett!

Übrigens habe ich vor, demnächst über die “No Such Thing As A Macronutrient”-Serie von Dr. Kurt Harris zu schreiben. Hier erklärt er, wieso es im Paleo-Kontext ziemlich sinnlos ist, von Kohlenhydraten, Protein und Fetten zu reden. Denn es gibt gesunde und ungesunde Fette und gesunde und ungesunde Kohlenhydrate. Vermutlich ist es bei Proteinen genauso, aber der Teil ist noch nicht raus ;-) Gluten ist aber auch ein Protein und ein ziemlich ungesundes dazu, also bin ich da zuversichtlich.

Stattdessen teilt Dr. Harris die Inhaltsstoffe von Essen jeweils genauer auf, so dass eben klar wird dass es eine “High-Healthy-Fat, Low-Unhealthy-Fat” Diet ist. Das halte ich für eine gute Idee. Inzwischen ist die Wissenschaft ja einfach weiter, als dass man noch alle Fette oder alle Proteine oder alle Carbs in einen Topf werfen könnte. Deswegen werde ich in Zukunft mal versuchen, Dr. Harris’ Nomenklatur zu verwenden. Aber dazu muss ich erstmal darüber schreiben ;-)

PS: Ich habe mir einen Flickr-Account gemacht, wo ich Fotos von allem hochladen werde, was ich während der Paleo-Challenge esse. So lautet zumindest der Plan.

Popularity: 63% [?]